»A bout de Souffle« war von
Godard als Bruch mit den Traditionen des »Hollywood-Film« und Rückkehr zur Direktheit
und Unmittelbarkeit des amerikanischen Gangsterfilms konzipiert worden. Sein Spiel mit
dessen Mythen und Symbolen ist inzwischen längst selbst ein Kinomythos und, als Vorreiter
der »Nouvelle Vague«, ein Meilenstein der Filmgeschichte. Obwohl viele seiner
richtungweisenden Neuerungen, die damals einen Affront gegen sämtliche Kinokonventionen
bedeuteten, heute als selbstverständlich gelten, hat der Film auch nach 30 Jahren nichts
von seiner Frische verloren.
Godard revolutionierte das Filmschaffen in vielerlei Hinsicht. Zum einen löste er mit
seiner beweglichen Handkamera und der damit verbundenen Lebendigkeit die konventionelle
Kinoproduktion aus ihren starren Fesseln. Godards Bilder »atmen« und vermitteln die Hast
und die rastlose Unruhe seines Helden und seiner Zeit. Zum anderen erneuerte er mit seiner
oft waghalsigen, alle goldenen Regeln negierenden Montagetechnik, filmische Sehweisen.
»Außer Atem« initiierte die »Nouvelle Vague« einerseits und hievte andererseits einen
bis dato unbekannten Schauspieler ins Rampenlicht. Jean-Paul Belmondos
Karriere begann. Als flapsig-existentialistischer Gangster, für den
nur das Alles-oder-Nichts zählt, hetzt er durch Paris. Die Liebe zu
Patricia, die so gerne Ingrid
(Bergmann?) heißen möchte, bestimmen seine letzten Fluchtbewegungen vor der Polizei. Er
verkörpert die moderne, zeitgemäße Version des gebrochenen Helden, der nicht als
moralisierendes Fossil an seiner Umwelt zerbricht, sondern von seiner Zeit bereits geprägt
ist und diese Existenz kompromisslos auslebt. Patricia, Symbol der Geborgenheit, stößt
ihn in die Kälte gefühlloser Anonymität zurück. Ihre Unsicherheit und
Orientierungslosigkeit, die sie ständig nach Beweisen und damit Existenz-Belegen suchen
lässt, vermag den linearen, konsequenten Ablauf seines Lebens nicht zu verhindern.
Belmondo stirbt so sorglos wie er gelebt hat, mit einem Lächeln und einem lakonischen
Spruch auf den Lippen.
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