Filme aus den arabischen
Ländern sind bei uns wie Stecknadel im Heuhaufen. Um so begrüßenswerter,
dass der
engagierte Verleih Kool mit dem neuen Film von Youssef Chahine, dem bedeutendsten
Regisseur Ägyptens und des Mittelmeer-orientierten arabischen Raumes, ein Meisterwerk
anbieten kann.
Die fulminante politische und historische Attacke gegen jenen Ungeist, der zu
Bücherverbrennung und Mordaufrufen gegen Schriftsteller führt, überzeugt auf allen
Ebenen und ist dank Chahines filmischen Wagemuts als historisches Epos, universale
Parabel, Toleranzkomödie mit Musikeinlagen und märchenhafte Hymne auf multikulturellen
Austausch gleichermaßen zu lesen und für offene Augen ein visueller
Genuss.
Chahine führt in das dem Ende entgegengehende Goldene Zeitalter des Islam, als im
andalusischen Cordoba die Fundamentalisten den Kalifen und seine beiden Söhne gegen den
Oberrichter und Philosophen Ibn Ruschd aufhetzen. Bis zu seiner Verbannung erlebt Ibn
Ruschd den Wertewandel der Prinzen, die Solidarität der einfachen Leute und die
Machtstrategien von Kalif, Scheich, Emir, Statthalter und Handlangern und verabschiedet
sich mit großer Geste vor dem Scheiterhaufen, auf dem seine Bücher brennen. Als hätte
Fellini im filmischen Basar des Orients eine Rundreise unternommen, fährt Chahine
als cineastischer Gastgeber seine optischen Schätze auf: Kunst,
Architektur, Ornamentik, Landschaften, die Lust am Denken und die Freude an
Leben, Tanz und Musik. Historisch korrekt und universell übertragbar.
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